Gestalttherapie

Wie „funktioniert“ Gestalttherapie?

Ziel jeder Psychotherapie ist Veränderung – Veränderung zum Besseren. Doch wie kann diese Veränderung bewirkt werden?

In der Gestalttherapie gilt es zuerst einmal, den Ist-Zustand so intensiv wie möglich zu erleben. Als Gestalttherapeutin sehe ich ein Problem nie isoliert, sondern arbeite mit dem „Hier und Jetzt“ des Klienten, also seiner augenblicklichen gesamten (!) Befindlichkeit. Das Ziel ist, dass der Klient die vielfältigen Verknüpfungen seines Problems mit der Gesamtheit seiner Persönlichkeit, Lebenssituation und Vorgeschichte erlebt Und „Erleben“ ist hier das Schlüsselwort, denn es geht nicht um eine intellektuelle Betrachtung von Problemen oder ihre Analyse. Der Klient soll – mit meiner Unterstützung - den verschlungenen Zusammenhängen nachfühlen, die mit seinem Problem verwoben sind, sie mit allen Sinnen wahrnehmen und auf vielfältige Art ausdrücken, verbal und non-verbal.

Das Erleben aktuell bestehender Blockaden bringt den Erkenntnisgewinn, vom dem aus der Klient, angeregt durch den Therapeuten, einen neuen, lebendigen Kontakt zu sich selbst und der Welt (er)finden kann. Es ist nicht leicht, diesen Zustand des sogenannten „Gewahrseins“ zu erreichen, weil sich jeder Mensch unwillkürlich dagegen sträubt, seine Blockaden zu erleben. Aber warum tut er das eigentlich?

Bei den Blockaden handelt es sich meist um Verhaltensmuster, die der Klient irgendwann in seinem Leben als Reaktion auf schmerzhafte, ja traumatisierende Erfahrungen aufgebaut hat. In ihrem damaligen Kontext waren sie sehr nützlich, manchmal sogar lebensrettend. Aber heute – sei es Jahrzehnte nach den Traumen der Kindheit oder nur ein paar Wochen nach der bitteren Enttäuschung einer unfairen Trennung - heute ist die Situation des Klienten ganz anders. Trotzdem verhält er sich so, als wäre er auch heute ständig von Prügeln oder Betrug bedroht. Die blockierenden Verhaltensmuster sind im Hier und Jetzt unpassend und erzeugen dadurch Leid. Aber sie lassen sich nicht ohne weiteres beseitigen, denn bei jeder Beschäftigung mit ihnen kommen all die schlimmen Gefühle und Erinnerungen wieder hoch, die an ihnen kleben, und genau dieses unangenehme Wieder-Erleben möchte man vermeiden.

„Gewahrsein“ ist also gleichzeitig der Schlüssel zur Wiedererlangung der Autonomie und eine schwierige Reise.

Genau hier kommt der Gestalttherapeut ins Spiel. Mit viel Kreativität erfindet er für seinen Klienten individuelle „Settings“ und Experimente zur Selbsterforschung, die dem Klienten ermöglichen, Schritt für Schritt die angestrebte Erfahrungs-Tiefe zu erreichen.

Als Gestalttherapeutin bin ich überzeugt, dass Veränderung erst durch aktuelles, bewusstes Erleben des aktuellen Selbst möglich ist. Daher sehe ich es als meine Aufgabe, Ihnen auf vielfältige Weise zu helfen, Ihre Blockaden aktiv zu erleben, damit Sie sich ändern und wachsen können. Sie sollen Ihre Autonomie (wieder)finden, oder anders ausgedrückt: „Leben statt gelebt werden“.

In der Therapie unterstütze ich Sie aktiv, die alten Muster zu erkennen und im Heute zu spüren. Gleichzeitig helfe ich Ihnen, das „neue“ Hier und Heute zu erleben. So erhalten Sie eine Chance, das belastende Erbe der Vergangenheit in den Griff zu bekommen. Ausgangspunkt für diesen Prozess ist die Interaktion zwischen Klient und Therapeut in der Therapiestunde.

Sich entwickeln statt trainiert werden

In der Gestalttherapie geht es niemals darum, Sie und Ihr Verhalten „umzuerziehen“ oder gar „umzuprogrammieren“. Gestalttherapie ist kein Trainingsprogramm mit vorgegebener Abfolge und exaktem Zeitrahmen.

Im Gegenteil: Gestalttherapie ermutigt jeden Klienten, sich eben nicht ungefragt anzupassen, sondern für jede neue Situation jeweils eine passende Lösung für sich zu finden, also lebendig, selbstbestimmt und kreativ zu sein.

Therapeut und Klient arbeiten mit den Erfahrungen, die sie während der Therapie bewusst machen und die aufeinander aufbauen. Neue Verhaltensmuster entwickeln Sie als Klient selbst, und Sie sind es auch, die sie in Ihr Leben einführen.

Körpersprache und Körperkontakt

Jeder Mensch drückt sich auch über seinen Körper aus. Obwohl Gestalttherapie hauptsächlich aus Gesprächen besteht, lenkt der Therapeut die Aufmerksamkeit des Klienten auch immer wieder auf die körperlichen Empfindungen und die Körpersprache.

Körperkontakt zwischen Therapeut und Klient kommt in der gestaltorientierten Einzeltherapie gelegentlich vor, wird aber immer vorher abgesprochen (z.B. beim Trösten).